Einsatzbereiche

Das Therapeutische Reiten hat seine Wurzeln in zahlreichen ärztlichen Zeugnissen des 16. bis 18. Jahrhunderts, die eine gesunderhaltende und gesundheitsfördernde Wirkung des Reitens erwähnen. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurden bereits spezifische bewegungstherapeutische Effekte des Bewegt-werdens auf dem Pferderücken beschrieben. Anfang der fünfziger Jahre wurde dem „Bewegungsdialog“ zwischen Pferd und dem auf ihm sitzenden Klienten die therapeutische Wirkung zugeschrieben.

Zunächst erfolgte das Therapeutische Reiten noch weitgehend unter medizinisch-bewegungstherapeutischen Aspekten. Mit seinem 1969 veröffentlichten Artikel „Mit Pferden erziehen“ setzte der Sonderschullehrer A. Kröger den Anfangspunkt des „Heilpädagogischen Voltigierens und Reitens“.

Heute wird der Oberbegriff des Therapeutischen Reitens in die drei Fachbereiche der Medizin, der Pädagogik und des Sports gegliedert .

Der Einsatz von Hunden als Helfer für blinde Menschen reicht ebenfalls weit zurück, erste Abbildungen sind aus dem 13. Jahrhundert bekannt. Die systematische Ausbildung von Blindenführhunden begann 1780 im Pariser Blindenhospital „Les Qunize-Vingts“. Wien war ebenfalls Vorreiter auf diesem Gebiet, so besaß der blinde Siebmacher J. Reisinger 1788 den ersten bekannten Blindenführhund und J. W. Klein, Gründer des Wiener Blinden Erziehungsinstituts, erwähnte 1819 den Blindenführhund in seinem Lehrbuch.

1916 wurde in Oldenburg in Deutschland die erste Blindenführhundschule der Welt gegründet und bildete bis zu ihrer Schließung 1926 jährlich 600 Führhunde aus. Eine zweite wurde in Potsdam eröffnet, die bis 1941 insgesamt 2500 Hunde ausgebildet hatte. 1945 verlagerte sich der Schwerpunkt in die USA, wo die Organisationen „The Seeing Eye“ und „Guide Dogs fort he Blind“ entstanden. In Österreich existieren derzeit drei Schulen für Führhunde. Der Einsatz von Hunden weitete sich als erstes in den 70er Jahren in den USA auf die Servicedogs oder Behindertenbegleithunde aus, die eine wichtige Hilfe im Alltag für Menschen mit Körperbehinderungen und Gehörlose darstellen, indem sie zu einer Erhöhung der Selbstständigkeit und Mobilität beitragen.

In Form von Besuchsdiensten ermöglichen private Tierbesitzer und Vereine Menschen in Alten- und Pflegeheimen, Krankenhäusern, psychiatrischen Einrichtungen und Institutionen der Behindertenhilfe den regelmäßigen Kontakt zu Tieren, in Wien z. B. der Verein „Tiere als Therapie“.

Mittlerweile gehören Tiere immer häufiger zum festen „Inventar“ dieser Einrichtungen, da Ärzte, Psychologen, Pflegepersonal und Vertreter von Krankenkassen und Gesundheitsämtern deren positive Effekte auf die körperliche, geistige und seelische Gesundheit zunehmend anerkennen. So dürfen z.B. alte Menschen bei der Übersiedlung in ein Alten- oder Pflegeheim ihre Haustiere mitbringen, es werden Stationstiere angeschafft oder Streichelgehege eingerichtet.

In vielen Großstädten Europas wurde in den sechziger Jahren eine Initiative zur Schaffung von Freiräumen und Begegnungen mit der Natur für Kinder ins Leben gerufen, deren äußere Lebenswelten immer stärker eingeschränkt wurden. Bauspielplätze, Jugendfarmen, Aktiv- und Abenteuerspielplätze, Kinderbauernhöfe, City-Farms oder Robinson-Spielplätze werden öffentlich finanziert und stehen allen Kindern kostenlos zur Verfügung. Unter pädagogischer Begleitung bieten sie den Kindern und Jugendlichen die Möglichkeit verschiedenste Tierarten (von Hühner, Enten, Kaninchen, Schweinen, über Ziegen, Schafe usw. bis zu Eseln, Ponys und Pferden) und deren Bedürfnisse kennen zu lernen, Verantwortung für ihre Pflege und Versorgung zu übernehmen, Erfahrungen mit Geburt und Tod zu machen, ökologische Zusammenhänge zu erkennen, reiten zu lernen und vieles mehr.

Eine in den letzten Jahren zunehmend bekannt gewordene Form der tiergestützten Therapie ist die Delphin-Therapie, die in Florida, Israel, Australien, auf den Bahamas und Hawaii mit an Menschen gewöhnten frei lebenden Delphinen oder mit trainierten Tieren in Delphinarien angeboten wird. In Fachkreisen wird diese Therapiemethode jedoch sehr kontrovers diskutiert, da der Therapieerfolg nicht wissenschaftlich nachgewiesen ist, die Kosten sehr hoch sind und es darüber hinaus unseriöse Anbieter gibt.

Delphine besitzen ein sehr ausgeprägtes Sozialverhalten und sind in der Lage, emotionale Stimmungen des Menschen und Einschränkungen aufgrund von Krankheiten oder Behinderungen wahrzunehmen und differenziert darauf zu reagieren. Durch ihren natürlich Spieltrieb und ihre Neugierde nehmen sie von selbst Kontakt zum Menschen auf und motivieren diesen, sich für eine Begegnung mit einem Gegenüber zu öffnen. Delphine orientieren sich in ihrer Umwelt mithilfe des Sonarsystems, ähnlich dem Echoortungssystem, von dem angenommen wird, dass es auf die menschliche Gehirntätigkeit stimulierenden Einfluss hat.

Delphin-Therapeutenteams setzten sich interdisziplinär aus Physio-, Ergo-, Psycho- und Verhaltenstherapeuten sowie Delphintrainer zusammen und arbeiten nach einem ganzheitlichen familienorientierten Konzept. Bei Kindern und Jugendlichen mit verschiedensten körperlichen, geistigen und seelischen Behinderungen – insbesondere bei autistischen Verhaltensweisen – chronischen Krankheiten oder erlebten Traumata, kann die Delphin-Therapie Impulse für die individuelle Entwicklung setzen.

Einige weitere Bereiche, in denen Tiere eingesetzt werden, sind z.B. in Schulen so genannte Schulzoos, Themen bezogene Projekte oder Heimsonderschulen für Kinder mit besonderen Bedürfnissen (Beispiel „Green Chimneys“, USA), die Arbeit mit suchtkranken Menschen („Grüner Kreis“, Österreich) und der Strafvollzug. Auch einzelne Therapeuten sowohl aus dem Bereich der psychologisch-pädagogischen, als auch der sprach- und bewegungstherapeutischen Disziplinen, setzen erfolgreich Tiere in ihren Praxen ein.