Unterstützung des emotionalen Bereichs

Als die bedeutendste Qualität, die Tiere im therapeutischen Einsatz bieten, wird das Beziehungsangebot gesehen. In der Beziehung zum Tier können Kinder die Erfahrung des unvoreingenommenen, bedingungslosen Angenommen-seins erleben. Tiere haben keine Erwartungen, sie knüpfen keine Bedingungen an ihre Partnerschaft, sie haben keine Vorurteile und bewerten, analysieren, kritisieren und nörgeln nicht.

„Tiere bleiben ohne Bedingungen beim Erleben des Kindes, ohne jede Rücksichtnahme darauf, ob es nach kulturellen Maßstäben gut oder schlecht gehandelt hat. Tiere geben Empathie – und das ungestört von kognitiven oder kulturellen Wertungen“ (OLBRICH 1998).

Kinder bzw. Menschen mit Bindungsproblematiken haben häufig bereits in der frühen Kindheit nur unzureichende emotionale Beziehungsqualitäten erleben können, psychische Deprivation oder traumatische Erlebnisse erlitten. Ganz besonders bei Kindern mit diesen Entwicklungsrisiken birgt die Beziehung zu einem Tier ein großes Potential zur Heilung in sich. Dabei fällt die Beziehungsaufnahme zu einem Tier durch dessen Eigenschaften wesentlich leichter als zu einem Menschen. In der Beziehung zum Tier können diese Kinder wichtige emotionale Qualitäten wie z.B. Sicherheit und Vertrauen, Geborgenheit und Nähe, Verbundenheit und Angenommen-Sein, Verlässlichkeit und Berechenbarkeit erfahren. Durch das Erleben einer Verbindung mit dem Tier als einem „Du“ wird das Kind in seinem nächsten Schritt, eine zwischenmenschliche Beziehung aufzunehmen, unterstützt. Auch hier kommt das Tier als ein gemeinsamer Bezugspunkt zum Tragen.

Durch die uneingeschränkte Akzeptanz des Tieres können Menschen darin unterstützt werden ich-bezogene Zweifel und Ängste zu lösen und ein positives Selbstbild aufzubauen. Das Interesse des Tieres am Kontakt zum Kind und die Zuneigung, die es ihm entgegenbringt, stärkt das Selbstwertgefühl und Selbstbewusstsein des Kindes. Durch die Verantwortung die das Kind für das schwächere und von ihm abhängige Lebewesen übernimmt, wird dieser Prozess zusätzlich unterstützt.

Durch den engen Körperkontakt den Tiere zulassen und selbst genießen, können Menschen Nähe und Geborgenheit, Sicherheit und gegenseitiges Vertrauen erleben. Insbesondere Kindern, die die körperliche Nähe zu anderen Menschen aus emotionalen Gründen oder wegen Wahrnehmungsproblematiken nicht oder nur schwer zulassen können, fällt dies im Kontakt zum Tier meist leichter.

In der Beziehung zu einem Tier kann eine kontinuierliche Zuneigung erlebt werden. Wird das Ruhebedürfnis der Tiere zu bestimmten Zeiten (etwa während der Nahrungsaufnahme, des Ausruhens und Schlafens) respektiert, schenken sie sonst ihre gesamte Präsenz, da sie weder Termine und Verpflichtungen wahrzunehmen haben, noch sich gedanklich mit ganz anderen Dingen beschäftigen. Diese Aspekte tragen zu einer Verbundenheit bei, die Kindern Sicherheit im Zusammenleben gibt.

Tiere können auf verschiedene Art helfen Stress und Belastungen besser zu verarbeiten. Durch ihre zyklisch wiederkehrenden Bedürfnisse nach Nahrung und Schlaf, nach Bewegung und Ruhe, geben sie ein Stück Orientierung und Struktur vor. Sie besitzen eine innere Gelassenheit und leben ganz im gegenwärtigen Moment, wodurch sie allein durch ihre Anwesenheit beruhigend und entspannend auf Menschen wirken können. Darüber hinaus können Tiere eine Modellfunktion für das Durchstehen von Belastungen übernehmen und ganz einfach Trost spenden und tragen somit zu einer Verringerung von Traurigkeit und Depressionen bei.